Diese Themenwoche bereite ich schon eine Weile lang vor. Zuerst waren auf dem Stapel für diesen Post nur 4 oder 5 Bücher.
Die letzte Woche über schwirrte das Thema in meinem Kopf und ich ertappte mich dabei, abends im Schneidersitz vor unseren 6,5 m Bücherregal zu sitzen und ein Buch nach dem anderen rauszuholen. "Ja, genau, das muss noch dazu, besonders hier diese Stelle wo er erkennt, das sie seine Tochter... oder hier das: Wie sie erfährt das er einen Autounfall... ja und das hier, schon die ersten Worte :" Was in seiner ersten Saison in Paris auf die Bühne geworfen wurde: zehn Hundertfrancscheine, ein Päckchen russischer Tee, Narzissen gestohlen aus den Gärten des Louvre, dutzende erotische Polaroids..." oder die Festbankette im Hause Buddenbrook, die dürfen nicht fehlen oder ach ja: Dorian: "... in den schrägen Strahlen, die durch die offene Tür einfielen, tanzte der Staub und färbte sich golden...".Ich liebe das ja so: schmökern, suchen, versinken.
Kurz: der Stapel wurde höher und höher. Also wurde wieder ausgemistet. Und übrig blieb:

Eine NICHT vollständige Liste meiner Lieblingsbücher, bewußt querbeet für euch ausgesucht. Viele kennt ihr sicher.
Es geht los mit
Krimis:

Donna Leons "Commissario Brunetti"-Krimis (klick)
Italienisches Leben Erleben in einer Stadt in der nur zwei Dinge die Idylle stören: Touristen und Verbrechen. Spannung und italienische Trägheit, Unterhaltung und Bildung, gutes Essen, gute Architektur und böse Menschen. Für mich immer wieder eine gute Mischung. Den dritten Teil hab ich gestern (mal wieder) ausgelesen. Einige sind grandios, einige sind Mittelmaß. Meine Favoriten: die ersten fünf Fälle uneingeschränkt, der Rest ist Geschmackssache.

"Small World" von Martin Suter (klick)
Ich mag ja die Bücher von Martin Suter. Er ist der Einzige bei dem es mir passiert, das ich meine Haltestelle verpasse, weil ich schon nach drei Seiten so tief drin bin in seinen Geschichten. Ich mag auch die Schweizer, ein sympathisches Völkchen und wer die Chance hat mal eine Lesung von Suter zu besuchen oder ein von ihm gesprochenes Hörbuch zu hören, sollte es tun: Schwiezerdütsch gepaart mit manieristischem Hochdeutsch: ein Traum.
Im Buch geht es um einen Mitsechziger dem Alzheimer langsam das Gedächtnis raubt, während gleichzeitig unliebsame Details aus der Vergangenheit immer klarer werden. Verquickungen mit einer abgründigen Familiengeschichte und der der Schweizer High-Society sorgen für einen spannenden Reigen. Ein ganz ganz ganz großartiges Buch!

"Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz" von Fruttero & Lucentini (klick)
Amazon sagt mir gerade das ich diesen Artikel am 4. Juni 2000 gekauft habe. Solange hab ich das Buch schon und bestimmt schon vier oder fünfmal gelesen. Das kongeniale Autorenduo hat einige tolle Bücher geschrieben. Das sind keine klassische "wer hats getan" -Krimis sondern immer auch Porträts der italienischen Gesellschaft. Auch die Kombination der beiden Autoren macht das Geheimnis aus: Lucentini stammt aus Rom (unzuverlässiger, schlampiger Süditaliener) und Fruttero aus Turin (hochnäsiger, klassischer Norditaliener). Die oftmals geschilderten Mentalitätsunterschiede zwischen den nördlichen und südlichen Italienern sorgen für die humorvolle Note. Außerdem überzeugen die Bücher auch immer sprachlich, das ist mir wichtig.
Im Buch geht es um einen mysteriösen Fremdenführer, der Fremde durch Venedig und Frauen ver -führt. Er besitzt ein erstaunliches geschichtlichen Wissen und einen unglaublichen Kunstverstand und allmählich beginnt man zu ahnen, das er ein tiiiiiefes Geheimnis verbirgt.
Biografien:
"Der Tänzer" von Colum McCann (klick)
Eine Romanbiografie von Rudolf Nurejew. Von seiner Kindheit in Baschkirien in der Nähe der sibirischen Stadt Wladiwostok über die Ausbildung in St.Petersburg, zur Flucht nach Paris, zum Partyleben in New York und dem AIDS-Tod in Frankreich wird ein schillerndes, extremes Leben geschildert. Das Nebeneinander von eiserner Disziplin und absoluter Zügellosigkiet, von Anmut, Schönheit und fiesesten Charakterzügen hat mich fasziniert.
Obwohl ich mich eigentlich nicht für Tanz speziell interessiere, hab ich das Buch schon mehrfach gelesen und verliehen. Außerdem hab ich dadurch Colum McCann entdeckt, dessen andere Bücher ich auch alle gelesen habe und ebenfalls nur empfehlen kann (klick).
Coco Chanel von Katharina Zilkowski (klick)
Leider nur noch gebraucht zu bekommen, aber in meinen Augen die beste Biografie der Stil- und Modeikone. Das war sie schon, als diese Begriffe noch keine hohlen Worthülsen waren. Sich vor Augen zu halten, welchen Aufstieg diese mittellose, aus ärmlichsten Verhältnissen stammende Chanel gemacht hat ist atemberaubend. ein tolles buch mit schönen, vielfach unbekannten Fotos.
Klassiker:
"Buddenbrooks" (klick)
Dialog von vor 15 Jahren in Dresdens größter Buchhandlung: "Entschuldigung, ich such das Buch Buddenbrooks, wo finde ich das?" und die Verkäuferin: "Wissen Sie eventuell den Autor?"
Einer der Gründe warum ich meine Bücher meist online bestelle. 110 Jahre alt ist dieses Buch und ganz sicher in seiner Schilderung der Zeit nicht mehr aktuell. Auch die Charaktere sind alles andere als zeitlos. Dennoch: Einmal im Jahr lese ich die Buddenbrooks und genieße es immer wieder!
Oliver Twist (klick)
Neben der Weihnachtsgeschichte um Scrooge mein allerliebstes Dickens-Buch. Ich sehe mich schon in ein paar (höchstens noch 3 ) Jahren im Winter mit Sander eingekuschelt auf dem Sofa sitzen und gemeinsam dieses Buch lesen. Düster und heiter, brutal und zärtlich, komisch und traurig. Ein richtiger Schmöker, der immer und immer wieder fesselt.
Schlafes Bruder (klick)
Ein großer historischer Roman, schon ganz zerfleddert vom vielen Lesen, verleihen, mitschleppen. Ein Buch über das absolute Gehör, über Musik, über Dorfansichten jenseits jeder Idylle. GRANDIOS. Wer es noch nicht kennt: unbedingt lesen.
"Homo Faber" (klick)
In der schule gelesen und gehasst, als Erwachsene gelesen und geliebt. Das schaffende Mensch als Walter Faber, rational, beherrscht und überlegt verwandelt sich durch Begegnungen mit alten Bekannten und einer jungen Frau. Diese Sprache. DIESE SPRACHE! Ach, das kann man nicht beschreiben, denn die Geschichte an sich ist alles andere als spektakulär. aber ich kann mich darin wiederfinden und verlieren und das ist schön.
"Das Bildnis des Dorian Gray" (klick)
Das Buch hab ich mit 14 Jahren zum ersten Mal gelesen und stelle mit jedem weiteren Mal fest: immer liest man es anders. Was mich nachwievor fasziniert ist Wildes Sprache, seine Beschreibungen, seine Vergleiche, die Bonmonts.
Wenn er Spitzen gegen Spießer und Männer wie Frauen gleichermaßen verteilt, stellt man fest: "Er hat immer recht" Kaum jemand hat die menschliche Natur und Eitelkeit mit derart klarem Blick durchschaut. Welche Seite man auch aufschlägt, es hagelt Anekdoten, Vergleiche, Spitzfindigkeiten und Ähnliches. Trés elegant!
Wie tragisch das er genau daran als Privatmensch gescheitert ist. Ein Buch das wehmütig macht, den so etwas wird niemals wieder geschrieben. Wie gut, dass es nie aus der Mode gekommen ist Wilde zu lesen, selbst 110 Jahre nach seinem Tod.
Moderneres:

"Das Mädchen mit dem Perlenohrring" von Tracy Chevalier (klick)
Gehört nicht zu den Klassikern, aber auch nicht zu den Biografien. Trotzdem geht es um vergangene Zeiten: Erzählt wird die (fiktive?) Geschichte des Malers Johannes Vermeer und seiner unbekannten Muse. Farben, Dunkelheit, Licht, Eifersucht, Schmutz und Reinheit beschrieben in bildhaften Sätzen. Ein Buch wie ein Bild. Und grandios verfilmt mit Colin Firth und Scarlett Johansson. Buch wie Film sind gleichermaßen zu empfehlen (klick)

"Der menschliche Makel" von Philip Roth (klick)
Wenn es mich interessiert, was mit einem älteren CollegeProfessor, verwitwet und impotent, passiert, dann kann das nur an Philip Roth liegen. Ach so ein Sprachkünstler, der es schafft Literatur (wo bleibt er der Nobelpreis, verdammt!!!!!!!) lesbar und unterhaltsam zu machen. Der menschliche Makel ist mein Lieblings-Roth.
Den Film dazu fand ich grottenschlecht, also lasst euch davon nicht abschrecken. Es gibt kaum ein besseres modernes amerikanisches Buch (o.k. o.k. vielleicht die Korrekturen von, J. Franzen, aber das spielt eh in seiner eigenen Liga).
Jedes jedes jedes Jahr vor der Bekanntgabe des Literatur-Nobelpreises sage ich zu Kai: "Ob er es diesmal schafft? Wie lange wollen die noch warten, der Mann ist 78!" Also bitte, bitte denkt dieses Jahr im Oktober an mich. Bei den größten britischen Buchmachern liegt Philip aktuell bei 31/100

" Extrem laut..." von Jonathan Safran Foer (klick)
Ein Buch über New York, ein Buch über ein Kind, ein Buch über den 11. September. Ein Buch über das Überleben (Foer ist Enkel von jüdischen Holocaust-Überlebenden), ein Buch über Menschen, über die Stadt, über Humor und Liebe und Verlust und Vergangenheit und Zukunft. Über Freundschaft und Begegnungen, über das Anderssein, über Gemeinsamkeiten. Jetzt muss ich gleich weinen und wenn ich zwei Seiten lese, dann werde ich lachen.
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Das wars. Meine Lieblingsbücher. So far...