Layout-build-along, das letzte Layout,

Free your mind and the rest will follow...

sangen die Mädels von "en vogue" in den Neunzigern. Ein Lied, das kraftvoll und schlau, mich schon als junges Mädchen daran erinnert hat, wie wichtig es ist, über den Tellerrand zu schauen.

In den letzten beiden Wochen ging es darum, wie ich scrappe. Eine subjektive Reise durch meine Art mit Fotos und Papier umzugehen. 

Heute komme ich zu den letzten beiden Layouts:

1. Vergiss alle Regeln

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Scrappen soll Spass machen. So wichtig wie ich es finde, ein paar Grundlagen zu kennen, Design- Prinzipien anzuwenden und sich auch ein bisschen mit dem Rundherum zu beschäftigen: Es geht nicht darum die Welt zu retten.

Wenn ein Layout nicht gelingt, dann ist das halb so wild. Das nächste wird besser! Manchmal muss es schief und krumm sein, weil mir eben danach ist. Weil ich das schief-fröhliche des Fotos einfangen wollte, das Sander von Smilla und mir geknipst hat. Weil ich ein par kleine Tidbits hatte, die zu nix passten, die ich aber unterbringen wollte. Warum da Wolken auf dem Layout sind? Keine Ahnung, ich mag sie einfach. Das reicht doch als Grund! Scrappen ist kein Dogma. 

2. Liften macht Spass.

Original:

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from the talented Vee Jennings

Fälschung:

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Meine Lifting-Regeln:

  • Quellenangabe ist obligatorisch, zumindest wenn das Layout, wie auch immer, veröffentlicht wird
  • Liften von Layouts in einem Stil der meinem sehr ähnlich ist, ist langweilig, "go out off your comfort zone"
  • Mach das Ding zu deinem Eigenen

Beim Liften geht es zunächst darum, die bestimmenden Elemente des Layouts zu identifizieren. Für den einen sind das die Farben, für einen anderen die Anordnung von Fotos und Embellies, es können auch Formen oder andere Details sein. Diese werden dann übernommen.

Trotzdem finde ich es wichtig dem eigenen Stil treu zu bleiben, das geliftete Layout quasi für sich zu "übersetzen". Bei mir also weniger bunt, ohne Farbspritzer (die ich toll finde, ich hab nur immer Angst damit das ganze Ding noch zu versauen!)

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Also wieder eine schlichte Variante aber trotzdem klar als Lift zu erkennen, wenn man das Original sieht. Eine Sache hab ich ziemlich identisch übernommen, das kleine Detail in der oberen Ecke:

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Also: Liften ist keine Schande, macht Spass und nicht dick. 

Das wars mit meinem Workshop. Eure Resonanz hat mich ehrlich überrascht. soviele Zugriffe, Mails und Feedback. Wow. Ich wühle mich in den nächsten Tagen durch eure Mails und arbeite gerade an einem Blogpost mit Antworten auf all Eure Fragen. Also falls ihr noch Fragen habt, jetzt ist noch Zeit. 

Einen Hinweis hab ich noch. Ich habe einige Layouts per Mail bekommen mit der Bitte diese zu "beurteilen". Seid mir nicht böse, wenn ich dies nicht mache. Wer gibt mir das Recht zu sagen, das Layout würde so oder so besser aussehen? Wie ich ein Layout aufbaue, habe ich euch in den letzten beiden Wochen erklärt. Wenn ihr ein paar dieser Hinwiese einbaut und sie euch zu eigen macht, sie nutzt um eure eigene Sprache zu entwickeln, kurz: euch und euren Stil zu entdecken, dann finde ich das toll. Ihr braucht kein "Urteil" egal von wem: wenn euch das Layout gefällt, dann stimmt alles daran.

Ciao, eure Marit

Layout-build-along, Layout 4, Motivbögen

In den letzten Jahren sind in den Collektionen der Papierhersteller immer mehr Motivbögen aufgetaucht, also Bögen die kein durchgehendes Muster haben, sondern wie fertige Bilder gestaltet sind. Gerade bei Pink Paislee

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und My Minds Eye kann ich kaum widerstehen

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Wunderschön, nicht? Kann man direkt so rahmen und in die Wohnung hängen... Hach.. 

Wo waren wir, ähem.

Mit einem Foto drauf wirds da schon schwieriger. Zuerst: Wohin mit dem Foto? Irgendwas verdeckt man ja meist. Hier ist mein Layout dazu:

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Pink Paislee und Libellen? Ich kann da nicht widerstehen. Trotzdem finde ich das Papier schwierig. 

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Als erstes suche ich mir eine freie Stelle oder Ecke. Ecken sind immer gut, weil sie automatisch auf einer Sichtlinie liegen. Mein Foto "verankere" ich auf dem Papier indem ich dazu einen Rahmen bilde, ein Bild-im-Bild sozusagen. Hier hab ich dazu eine neutrale Buchseite ohne viel Chichi genommen und einen Transparency-Rahmen von MME. Beides kam unter das Foto.

Farblich bleibe ich in der Farbfamilie des PPs, aber das ist wieder Geschmackssache. Beim obenstehenden grünem PP von Pink Paislee z. b. würde ich eher dunkleres Papier oder auch dunklere Embellies wählen (vielleicht kupferfarben oder dunkelgrau?), da das Papier so "wild" ist, das es wirklich ein wenig mehr "Action" rund ums Foto braucht, damit es nicht untergeht. Oder alles ganz ganz hell wählen und mit ein bisschen zerknülltem Papier oder Transparentem Architektenpapier arbeiten und auch ein eher helles, ruhiges Foto nehmen.

Zurück zu meinem Layout: Da das Motiv auf dem PP schief und krumm angeordnet ist, hab ich auch mein Foto und den Rest leicht schief aufs Papier geklebt.

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Da das Papier mit Motiv und Bild schon recht "voll" ist (zumindest für meine Verhältnisse) hab ich nur einen Brad und ein Holzherz von Studio Calico ergänzt. Gewählt hab ich beides, weil ich es ein wenig rustikaler wollte, als Kontrast zum zarten Motiv des PP. Der Brad greift farblich zudem das Kätzchen auf dem Shirt auf (im kleinen Journaling gehts darum das Smilla das Shirt am allerliebsten trägt)

Bei einem so zarten PP würde ich nicht noch mit einem Doily arbeiten (ist natürlich Geschmackssache) sondern mag eher Kontraste. Das Foto zum Beispiel hab ich mit kleinen Heftklammern befestigt. Nur ein Detail...

Generell kann man sagen, das man bei diesen PPs besonders wählerisch sein sollte was die Embellies angeht, und auch beim Foto gilt das gleiche wie beim stark gemusterten Papier: lieber ruhige Fotos wählen, mit wenigen Farben, keine zu bunten, aufgeregten Motive.

Die Farben auf dem Foto müssen nicht zum pp passen, ein bisschen Kontrast hier kann nicht schaden, siehe Foto oben: Schwarz, Haut, helles grau.

Bei so kleinteiligem Motivpapier sehen größere, ruhige Embellies, so wie passende Die-cuts oder Doilies in der Regel besser aus als kleine Pailetten oder Steinchen. Auch Flowers oder ähnliches würde ich (wieder Geschmackssache) ehr sparsam verwenden. Sollte ein kleines Detail besonders wichtig sein, dann bindet es in eine größere Gruppe ein, mattet die Embellies mit einem Stück PP oder einem Label. Wieder gilt: Cluster your Embellies!

 

Ciao, eure Marit

Layout-build-along, Layout 3, Symmetrie

Symmetrie wird von den meisten Menschen als schön empfunden. Ein gutes Beispiel für Symmetrie in der Architektur: gleichförmige Grundrisse in Kirchen z.B. helfen bei der Orientierung und betonen architektonische Details. 

Eine Symmetrie auf einem Foto oder Layout gibt beiden Bildhälften eine gleiche Wertigkeit, schafft Harmonie (nicht zu verwechseln mit Langeweile!). Symetrische Layouts wirken deswegen immer "aufgeräumt"

Wenn ich man total und überhaupt keinen kreativen Schub habe, fange ich meist an mit einem symmetrischen Layout. Symmetrische Layouts sind einfach aufgebaut, langweilig (siehe oben) müssen die ja trotzdem nicht sein.

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Zwei Fotos vom Mäuser, bei denen ich mich nicht entscheiden konnte, welches ich nehme, bildeten den Anfang. Ich entschied mich, beide zu verwenden.

Sander ist auf beiden Bildern in Bewegung, steht also nicht gerade, gleichzeitig aber ist die Blickachse in den Wald die Gleiche. Würde ich die Bilder jetzt leicht schief oder aufgefächert wie zwei Spielkarten auf das Layout bringen, wären beide Effekte weg: die Bewegung von Sander bemerkt man nur, wenn man das Bild gerade hält, die gleichen Blickachsen kommen auch nur zur Geltung, wenn die Bilder direkt neben einander stehen.

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Hier kam also die Anordnung der Fotos noch vor dem Aussuchen des Papiers. Das feine Kästchenmuster des Papiers setzt einen kleinen Akzent, wirkt aber nicht dominant. Symmetrien sind meist stark wirkende Kompositionen und brauchen daher nicht viel rundherum. Bei einem solchen Aufbau würde ich keine starken oder asymmetrischen Muster auf dem Papier wählen.

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Das Journaling hab ich mit meiner alten Schreibmaschine direkt auf den Bogen getippt. Wunderbar wäre hier auch die Handschrift. Ich markiere mir vorher auf dem Bogen wo die Schrift hin soll, dann wirds schön gleichmäßig. Wer nicht mit Hand schreiben will und keine Schreibmaschine hat, der druckt das Journaling auf einen Bogen Transparentpapier (oder bei einem A3-Drucker direkt aufs PP) und klebt das Transparentpapier direkt auf den Untergrund.

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Jetzt kommt wieder Textur ins Spiel. Dicke Wood-Alphas (Thickers) und eine aus Transparentpapier gestanzte Blume mit Brad bringen ein bisschen Auflockerung und Asymmetrie in das Layout, damit nicht alles platt und gleichförmig wirkt. Die strenge Symmetrie zu brechen schafft einen zweiten Blickpunkt, das Element dafür also ganz besonders sorgfältig aussuchen.

Das ist wieder ein Layout, das man leicht nach eigenem Geschmack auch viel viel farbenfroher gestalten kann. Ein wandelbarer Sketch, oft gesehen und trotzdem immer wieder neu.

"Warum so farblos?" fragt ihr euch vielleicht. Nunja, zum einen liegen mir ruhige, helle Töne mehr als dunkle (obwohl ein paar meiner Lieblingslayouts auf schwarzem oder dunkelbraunem Cardstock entstanden sind). Hier lag mein Fokus (wie so oft) auf den Fotos. Das diffuse, neblige Licht mag ich besonders. Und auch Sanders Schatten im Gegenlicht. Ein farbiges Papier würde diese zarte Stimmung übertünchen, ihr viel von ihrem Effekt nehmen. Ich wollte kein Papier in den Vordergrund stellen, keins das mit den Bildern konkurriert.

Ein Strand- oder Gartenbild dagegen käme mit einem gemusterten Papier sicher gut. Strand und Meer bilden große Farbflächen, da passen kleinteilige Motive in der Regel gut. 

Das wars, bis zum nächsten Layout!

Ciao, eure Marit

Layout-Built-Along, Layout 1, Buntes gemustertes Papier

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Lebhaft gemustertes Papier ist oft wunderschön und ich kann meist nicht wiederstehen es zu kaufen. Die Be- und Verarbeitung kann jedoch ziemlich tricky sein. Das schwierigste ist oft, ein passendes Foto zu finden. 
Schau dir ein paar deiner Fotos an, lerne wie du fotografierst und kauf das Papier danach.
Bist du so wie ich und fotografierst (und verscrappst) auch mal Stillleben und Architektur im Urlaub? Sind deine Bilder von den Kindern oder dem liebsten eher Portrait als Schnappschüsse? Für ruhige Fotos mit großen Flächen und wenigen Farben eigenen sich auch wild und bind gemusterte Papiere als Unterlage oder Akzentpapier.
Bist du immer mitten drin im Gewühl, fotografierst viel auf Feiern oder auf dem Spielplatz und sprühen deine Bilder von Farben und Vielfalt?
Dann such dir aus den Papierserien die dir gefallen die ruhigeren Hintergründe aus oder nutze buntes Papier eher als Akzent denn als Grundlage für ein Layout. 
Das schöne ist ja: in jeder Papierkollektion gibt es kleingemusterte und großgemusterte Papiere, oft sind auch unifarbene oder geometrisch gemusterte (Pünktchen oder Karos) dabei.
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Hier hab ich ein Foto schwarz-weiß "entfärbt". Auf dem Original trägt mein Mann eine rote Jacke, Smilla ein Shirt in khaki. Ich habe im Fotoprogramm einfach schwarz weiß gewählt, das ganze Foto ein wenig aufgehellt und den Kontrast erhöht.
Folgende Regeln helfen bei der Auswahl des Fotos speziell bei wild gemustertem Papier:
  • Nimm ein Foto, das wenige unterschiedliche Farben beinhaltet 
  • Schwarz-weiß muss nicht sein, monochrome Fotos von Landschaften oder Architekturaufnahmen von Kirchen oder Gebäuden sind auch oft nicht sehr farbig
  • wenige, große Flächen auf dem Foto lassen es ruhig wirken (stell dir statt dem oberen Foto einfach eine Gruppenaufnahme vor, viel zu unruhig, ncith wahr?)
Auch auf einem gemusterten Papier kann man gut Deko verwenden. Entscheide dich für Dekoelemente in einer recht neutralen Farbe, wie weiß, grau, creme oder auch schwarz, wenn der Hintergrund und das Foto eher hell ist. Wenn du Farbe verwenden willst, dann such eine Kontrast-Farbe aus die du sparsam verwendest oder bleib bei einer Farbe die im Muster enthalten ist.
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Damit die Deko auf dem gemusterten Papier nicht "verloren geht" pack sie nah zum Foto und bündele sie. "Cluster the Embellies!" 
Hier hab ich die Dekoelemente so gruppiert, das sie fast die gleiche Fläche einnehmen wie das Foto. So balancieren sie die Wirkung des Fotos gut aus, sind aber nicht Mittelpunkt des Layouts.
Stichwort Textur (ihr errinert euch an gesstern? Das werdet ihr sicher in den nächsten Tagen noch öfter lesen): Details in unterschiedlichen Oberflächen machen das Layout spannender. Hier hab ich Acryl (Buchstabe), einen Doily und Metall (die Öse im Tag) verwendet:
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Und noch was: erinnert ihr euch, was ich gestern über Sichtlinien erklärt habe:
Forever2
Deko und Foto liegen auf einer Sichtlinie, der Mittellinie nämlich. Das Gesicht meines Mannes auf dem Foto und der Doily liegen ebenfalls auf einer Sichtlinie. 
Das wars, probiert es aus!
Material:
Ciao, eure Marit